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Besteuerung von NFTs (Non-Fungible Tokens)

Non-Fungible Tokens (NFTs) sind nach wie vor in der Kryptoszene präsent und erfreuen sich weltweit großer Popularität. Was NFTs genau sind, haben wir hier beschrieben. In diesem Artikel gehen wir der Frage nach wie NFTs steuerlich einzuordnen sind.

Sind Kryptowährungen und NFTs dasselbe?

Unter rein technischer Betrachtung sind NFTs nichts anderes als Kryptowährungen. Allerdings muss man bei Kryptowährungen zwischen sog. 

  • Fungible Tokens und 
  • Non-Fungible Tokens (NFTs) 

unterscheiden. Fungible Tokens (dt.: austauschbare Token) spiegeln für sich betrachtet immer denselben Vermögenswert wider, weshalb es für den Inhaber egal ist, welcher konkrete Token ihm zugeteilt wird.

Ein bekanntes Beispiel dafür ist der Bitcoin (BTC). Genauso wie es für Personen in der analogen Welt keinen Unterschied macht, welchen konkreten Geldschein sie besitzen, so verhält es sich bei Inhabern von BTC. Jeder andere BTC verkörpert den gleichen Vermögenswert, für den Inhaber macht es damit keinen Unterschied, welchen Bitcoin er erhält. Der BTC ist also austauschbar („fungible“).

NFTs sind einzigartig

NFTs hingegen zeichnet es aus, dass sie digitale Güter sind, die nicht beliebig untereinander austauschbar sind (non-fungible). Bei sog. Artwork NFTs (Kunstwerk NFTs) liegt dies daran, dass diese ein lediglich einmal existierendes künstlerisches Bild verkörpern. Zwar ist es technisch gesehen möglich, das digitale Gut unendlich oft zu replizieren, allerdings stellt ein auf der Blockchain gespeichertes Echtheitszertifikat die Einzigartigkeit des NFTs sicher.

Doch wie werden NFTs aus steuerrechtlicher Sicht behandelt? Aufgrund der Neuartigkeit des Themas fehlen bislang noch verbindliche steuerrechtliche Vorgaben. Nichtsdestotrotz lassen sich folgende erste Erwägungen anstellen:

03.11.2021: Live AMA Session mit Philipp Hornung und Bitcoin2Go

Steuerfragen bei der Herstellung von NFTs (minten)

Das Herstellen von NFTs (sog. minten) kann nach steuerlicher Beurteilung auf zwei verschiedenen Wegen erfolgen, die jeweils unterschiedliche steuerliche Konsequenzen nach sich ziehen.

  • Da überwiegend digitale Kunstwerke erschaffen werden, liegen bei der Herstellung solcher Werke Einkünfte aus einer künstlerischen Tätigkeit nahe. Voraussetzung hierfür ist, dass der Steuerpflichtige eine eigenschöpferische Tätigkeit mit einer gewissen Gestaltungshöhe erbringt. 
  • Daneben ist allerdings auch eine gewerbliche Einordnung als Einkunftsart denkbar. Unter anderem nimmt das Finanzamt beim Eigenvertrieb von Kunst im Onlinehandel eine gewerbliche Tätigkeit an. Eine solche Einordnung ist für den Steuerpflichtigen jedoch mit mehreren Nachteilen verbunden, unter anderem deshalb, weil zusätzlich Gewerbesteuer zu entrichten ist.

Welche der beiden Einkünfte vorliegt, ist stets eine Frage des konkreten Einzelfalls. Da sich bislang weder Gerichte zu dieser Thematik geäußert haben noch ein klarstellendes Schreiben des Bundesfinanzministeriums (BMF) vorliegt, besteht für Hersteller von NFTs in vielen Fällen eine große Rechtsunsicherheit. Um diese zu beseitigen, empfiehlt es sich, den konkreten Sachverhalt durch erfahrene Experten im Bereich Kryptosteuerrecht prüfen lassen.

Besteuerung von NFT-Charakteren in Computerspielen

Gleiche Überlegungen gelten für hergestellte NFT-Charaktere im Rahmen von NFT-Computerspielen. Liegt eine eigenschöpferische Tätigkeit vor und verkörpert die Figur eine gewisse Gestaltungshöhe, können hier beim Verkauf solcher NFT-Charaktere Einkünfte aus einer künstlerischen Tätigkeit vorliegen.

Aber auch hier sind die Grenzen zur Gewerblichkeit schnell überschritten. Je nach Einzelfall können demnach Einkünfte aus Gewerbebetrieb einschlägig sein. Um auf der sicheren Seite zu sein, ist eine anwaltliche Prüfung dringend ratsam.

Wie wird der Handel von NFTs besteuert?

Viele private Kryptoinvestoren stellen zwar selbst keine NFTs her, kaufen und verkaufen aber NFTs und erzielen dabei Gewinne. Für diesen Personenkreis stellt sich ebenfalls die Frage der Besteuerung. 

  • Denkbar ist, Gewinne aus Verkäufen von NFTs als privates Veräußerungsgeschäft gem. § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG einzuordnen. Erzielte Gewinne werden dann anhand des persönlichen Einkommensteuersatzes besteuert, wenn der Verkauf innerhalb eines Jahres nach dem Kauf erfolgt. Nach Ablauf der einjährigen Haltefrist sind die Gewinne hingegen steuerfrei. 
  • Für private Kryptoinvestoren besteht allerdings die Gefahr, dass diese beim wiederholten An- und Verkauf ab einer gewissen Schwelle gewerblich tätig sein können und vom Finanzamt als gewerbliche Händler eingeordnet werden. In diesem Fall wären Gewinne in jedem Fall – auch außerhalb der Jahresfrist – steuerpflichtig und es würde zusätzlich Gewerbesteuer anfallen. 

Das Bundesfinanzministerium (BMF) hält in seinem jüngst veröffentlichten Entwurf-Schreiben eine Einstufung als gewerblicher Handel nur unter besonders strengen Voraussetzungen für gegeben. Allerdings ist es fraglich, ob diese Grundsätze ohne Weiteres auch auf NFTs übertragen werden können, da das BMF sich bei seinen Erwägungen auf Fungible Tokens, also austauschbare Kryptowährungen wie z.B. BTC, bezieht. Ob und unter welchen Voraussetzungen ein gewerblicher Handel bei NFTs angenommen werden kann, ist zum aktuellen Zeitpunkt weitestgehend ungeklärt.

Tipp:

Kryptoinvestoren sind gut beraten, wenn sie deshalb vorerst alle ihre Gewinne aus dem Handel mit NFTs gegenüber dem Finanzamt offenlegen und im Rahmen ihrer Steuererklärung auflisten. Nur durch ein solches Vorgehen, lässt sich die Gefahr eines Vorwurfs einer Steuerhinterziehung effektiv vermeiden.

Achtung: NFT-Umsatzsteuer beachten

In der Regel muss man sich beim Handel mit Fungible Tokens wie Ether, Polygon, ETC oder BTC keine Gedanken über die Umsatzsteuer machen, da grundsätzlich keine entrichtet werden muss.

Dem liegt die Überlegung zugrunde, dass solche Kryptowährungen für umsatzsteuerliche Zwecke den gesetzlichen Zahlungsmitteln (z.B. Euro, US-Dollar) gleichgestellt sind, auch wenn sich zumindest bislang die Zahlungsmittelfunktion angesichts der starken Kursschwankungen der Kryptowährungen in der Praxis nicht durchgesetzt hat.

Umsatzsteuer auf NFTs

Aufgrund der Einzigartigkeit von NFTs liegt es hingegen fern, diese als Zahlungsmittel zu verwenden. Deshalb sprechen gute Gründe dafür, den Handel mit NFTs der Umsatzbesteuerung zu unterwerfen.

Doch nicht jeder Handel mit NFTs unterliegt automatisch der Umsatzsteuerpflicht. Grundlegende Voraussetzung ist hierfür, dass der Leistende Unternehmer ist. Die Einordnung als Unternehmer hängt stets von den konkreten Umständen des Einzelfalls ab. Eine hohe Anzahl gehandelter NFTs kann jedenfalls ein Indiz für die Unternehmereigenschaft sein. In jedem Fall sollten Kryptoinvestoren darauf achten, dass sie ihre Käufe und Verkäufe sorgfältig dokumentieren. Nur dann lässt sich gegenüber dem Finanzamt vernünftig argumentieren.

Was muss ich bei NFTs zum Thema Geldwäschegesetz wissen?

Gewerbliche NFT-Händler sollten ferner das Geldwäschegesetz (GwG) und die in ihm enthaltenen Sorgfalts-, Risikomanagement- und sonstigen Pflichten im Blick haben. Denn solche Kryptohändler könnten als „Güterhändler“ in den Anwendungsbereich des GwG fallen. Bereits bei leichtfertigen Verstößen gegen Vorschriften des Geldwäschegesetzes haben diese hohe Bußgelder zu befürchten.

WINHELLER berät Kryptoinvestoren zur NFT-Besteuerung

Haben Sie weitere Fragen zur Besteuerung von NFTs? Benötigen Sie Hilfe bei Ihrer Kryptosteuererklärung? Sind Sie unsicher, ob für Ihre Tätigkeit geldwäscherechtliche Verpflichtungen bestehen? Unsere erfahrenen Steuerexperten für Kryptowährungen  

stehen Ihnen mit ihrer Expertise zum Thema Non-Fungible Tokens (NFTs) zur Verfügung. Zögern Sie nicht und greifen Sie auf unser umfassendes Know-how im Zusammenhang mit Kryptowährungen zurück. Sie erreichen uns am einfachsten per E-Mail (info@winheller.com), telefonisch (069 / 76 75 77 80) oder über unser Kontaktformular zur Besteuerung von Kryptowährungen.

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